In Braunschweig kann jeder VIP werden

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Die Non-profit-Organisation V.I.P e.V. (Verein für Interkulturelle Projekte) in Braunschweig wurde 2022 als Reaktion auf den Wunsch vieler Menschen der vor allem jungen polnischen Generation gegründet, um einen Raum für echten interkulturellen Austausch zu schaffen, der dem Deutschland des 21. Jahrhunderts entspricht, d.h. einem Land, in dem ca. 30 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. Aus Sicht von Vertretern der Generation X (vor allem Jahrgänge aus den 1970er Jahren), Y und Z entsprechen die ehemaligen bilateralen Vereine ihren Bedürfnissen nicht mehr, da für sie die Grenzen zwischen dem, was typisch „polnisch“ und dem, was typisch „deutsch“ ist, weitgehend verschwommen sind. Denn was soll beispielsweise ein in Deutschland geborenes Kind einer Polin und eines Georgiers über seine Wurzeln sagen? Auch die Form der Werbung für Polen unter der neuen Aktivistengeneration unterscheidet sich von der ihrer Eltern- und Großelterngeneration. Junge Menschen möchten nicht mehr mit Hilfe von Pirogen und Bigos vom Land ihrer Vorfahren erzählen. Sie betonen vor allem, dass sie ein Bild von Polen verbreiten wollen, das einem modernen und erfolgreichen Land mit einer interessanten Geschichte und innovativen Ideen im Bereich Kunst und Kultur entspricht. 

Sophie Delest, die sozialdiplomatische Arbeit ähnlich versteht, hörte diesen Menschen zu und konzipierte eine völlig andere Form einer gemeinnützigen Organisation als die, die man in Braunschweig bislang kannte. Und so wurden besonders polnischstämmige Menschen zur Hauptgründungssäule von V.I.P. e.V., weil sie glauben, dass die Pflege polnischer Traditionen und die Förderung ihres Herkunftslandes nicht in einem hermetisch abgeschlossenen polnischen Umfeld, sondern in einem multikulturellen Raum stattfinden sollte. Dieses Konzept stieß auch auf reges Interesse und Unterstützung von Deutschen, welche die interkulturelle Integration fördern wollen und in diesem Zusammenhang beschlossen, mit polnischstämmigen Menschen zusammenzuarbeiten, um die von ihnen gesetzten Ziele zu erreichen. 

Darüber hinaus schlug Delest Lösungen für die Satzung des V.I.P. e.V. vor, um diesen Verein vor einer internen Hierarchie zu schützen, die Vertreter jüngerer Generationen bisher an anderen Vereinen kritisiert haben und die sie häufig davon abhielt, sich in solchen Vereinen zu engagieren. Delests Reaktion auf die Stimmen der jüngeren Generation und die Form der Projekte, die sie bis zur Vereinsgründung durchgeführt hat, führten dazu, dass sie zur Vorsitzenden des V.I.P. e.V. gewählt wurde. Sie hat die Absicht, die Organisation in die bei der Gründungsversammlung gewählte Richtung zu führen. Bisher hat sie ihre Mitglieder nicht enttäuscht. Delest war sich von Anfang an darüber im Klaren, dass in einer globalisierten Welt, in der soziale Medien eine schnelle Vernetzung mit Menschen aus allen Weltecken ermöglicht, eine alleinige Arbeit mit dem Ziel, Bindungen zu Landsleuten zu stärken, in der kleinen Stadt Braunschweig und Umgebung nicht ausreichen kann für junge Menschen, die neugierig auf andere Orte sind. 

V.I.P. e.V. kooperiert mittlerweile mit polnischen Organisationen von Berlin bis Aachen und hat zahlreiche Projekte mit dem Generalkonsulat in Hamburg durchgeführt. Eine große Leistung des Vereins ist die Tatsache, dass er bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit Kontakte zum World Polonia Council und zu polnischen Zentren in anderen Ländern knüpfte. Dabei kam dem Verein seine Theaterarbeit sehr zugute, denn er ist das einzige Zentrum der polnischstämmigen Migranten in Mitteldeutschland, das auch ein Theater gründete und Migranten polnischer und ausländischer Herkunft bei eigenen Theaterprojekten unterstützt. Bereits im zweiten Jahr seiner Tätigkeit organisierte der Verein eine kleine Deutschlandtournee für ein polnisch-ukrainisches Ensemble, und ein Jahr später in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fundacja Polonii Świata beim World Polonia Council einen nterkontinentalen Theateraustausch zwischen Sophie Delests Theater OFF THEATER ZIGARRE und dem TEATR NASZ aus Chicago, das von dem bekannten polnischen

Schauspieler Andrzej Krukowski gegründet wurde. Im selben Jahr reiste das Theater von Delest mit Teilnehmern eines polnisch-deutschen Austausches zum Sol Oriens Jugendtheaterfestival nach Vilnius. Vorbereitet werden schon die nächsten Theateraustausche sowie Aufführungen in den Ländern, wo es kein polnisches Theater gibt. Bei der Auswahl des künstlerischen Programms ist der Vorstand besonders darum bemüht, Wissen über jenen Teil des polnischen Kulturerbes zu vermitteln, der in der Kunst- und Kulturgeschichte als wegweisend anerkannt ist. Als beispielsweise das TEATR NASZ aus Chicago nach Deutschland eingeladen wurde, wählte dieses aus seinem Repertoire ein relativ selten gespieltes Stück von Bogusław Schaeffer, der als Legende im Bereich des Instrumentaltheaters gilt. Als Folge des gegründeten Netzwerkes im Bereich der Theaterkooperation ergab sich, dass das OFF THEATER ZIGARRE beim V.I.P. e.V. zum Gründungsmitglied der internationalen Organisation FORUM PERSPEKTYW KULTURALNYCH wurde, die nicht professionelle polnische Theater im Ausland, die der Strömung „Umbruchstheater“ zuzuordnen sind, sowie literarische und musikalische Salons und künstlerische Gruppen, die mit dem Theater zusammenarbeiten, miteinander vereint. Zu Leiterinnen dieser Organisation wurde Delest zusammen mit der Vorsitzenden der Jugendtheatergruppe in Vilnius, Bożena Sosonowska, gewählt. Zu den Aufgaben der Organisation gehört, die Interessen des jungen polnischen Migrantentheaters gegenüber staatlichen Institutionen zu vertreten. All dies macht V.I.P. e.V. zu einer interessanten Organisation für die Menschen, die den Kontakt mit der sogenannten höheren Kultur suchen und nach Möglichkeiten eigener persönlichen Entwicklung suchen. Die Zusammenarbeit mit anderen Zentren der polnischen Kultur im Ausland, die V.I.P. e.V. eröffnet hat, ermöglicht den Vereinsmitgliedern, neue Gestaltungsräume nicht nur zur künstlerischen Selbstverwirklichung, sondern auch in Form einer Berufserfahrung im Bereich der Organisationsarbeit zu sammeln. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Erfahrungen bei der Ausführung verschiedener Aufgaben im Rahmen komplexer Projekte von V.I.P. e.V. den Ehrenamtlichen später im Berufsleben in Deutschland helfen können. Darüber hinaus bemüht sich der Vorstand darum, Aufstiegsmöglichkeiten für Führungskräfte gemeinnütziger Organisationen zu schaffen. 

V.I.P. e.V. war im Jahr 2024 der Programmpartner der Stiftung Fundacja Polonii Świata beim World Polonia Council während des 1. Weltkongresses junger Polonia-Führungskräfte und arbeitet gemeinsam mit dieser Organisation weiterhin daran, die Grundlagen für die internationale Zusammenarbeit zwischen jungen Polen zu schaffen. Der Verein unterstützt durch seine Erfahrung auch unorganisierte Gruppen von Polen in anderen Ländern (wie z. B. in Mexiko), denn V.I.P.- Aktivitäten sind nicht nur auf das Theater beschränkt. Seine Mitglieder führen zahlreiche Integrationsprojekte durch, deren Ziel es ist, das Wissen über Polen in der Welt zu vermitteln und Migranten polnischer Herkunft in die interkulturelle Gesellschaft Deutschlands einzuführen. Bereits im Jahre 2022 initiierte der Vorstand Veranstaltungsreihen wie Literaturtreffen, Spieleabende oder „Reisen rund um die Welt“. Die letzte Veranstaltungsreihe begann mit einer typisch polnischen Party, Andrzejki (Andreasnacht), danach folgten Feste aus dem deutschen, ukrainischen, iranischen und indischen Kulturkreis. Und selbst wenn es sich um keine rein polnische Veranstaltung handelt, wie etwa Nowruz, das iranische Neujahrsfest, hat Delest immer eine Idee, wie man auf unaufdringliche Weise etwas von Polen erzählen und andere für dieses Land interessieren kann. Als Resultat der Aktivitäten desV.I.P. e.V. nehmen an den vbom Verein organisierten Veranstaltungen mit typisch polnischen Charakter, wie etwa Andrzejki oder die Kupala-Nacht, außer Polen und Deutsche auch Vertreter anderer Länder wie Iraner, Syrer, Ägypter, Koreaner, Chinesen usw. teil.

Wenn Sie den V.I.P. e.V. bei seinen Aufgaben unterstützen, zur Förderung einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland und zur Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen mit Polen beitragen, neue Bekanntschaften auch über die Grenzen deutscher Städte und darüber hinaus über die Grenzen der Länder hinaus schließen, das polnische Kulturerbe, einschließlich zeitgenössischer Künstler polnischer Herkunft im Exil, besser kennenlernen oder sich durch den Kontakt mit jungen Menschen weiterbilden wollen, kontaktieren Sie den Vorstand unter der E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Im Betreff der Nachricht schreiben Sie bitte einfach: Viva, wir sind mit Euch zusammen!

Bei V.I.P. e.V. kann sich jeder wie ein VIP fühlen.

Autor: Andreas Moser

Foto:Helllove